Bericht vom Netzwerktreffen Soziale Landwirt-schaft bei der mudra Drogenhilfe in Nürnberg

Am 16.9.2016 traf sich die Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft zum Netzwerktreffen in der mudra-Geschäftsstelle Berufliche Integration in Nürnberg.

Das Treffen begann mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmer, die die verschiedensten beruflichen Hintergründe und Erfahrungen aus dem sozialen Sektor wie auch aus der Landwirtschaft mitbrachten. Insgesamt gibt es eine große Vielfalt an Angeboten und Ideen für die Soziale Landwirtschaft. Besonders freuten wir uns über die Teilnahme und das Interesse von Frau Ministerialrätin Monika Deubzer vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus München, die bei der Vorstellungsrunde ihr Aufgabengebiet und die Berührungspunkte mit der Sozialen Landwirtschaft erklärte.

Anschließend folgte ein äußerst lebendiger, informativer und unterhaltsamer Vortrag von Sepp Dietsche, in dem er seine Arbeit als Leiter der CERVIN („Centro de Recuperação Vida Nova“) - Drogenhilfe in Brasilien vorstellte. Aus seinem ursprünglichen Plan, in Brasilien für einige Jahre in einem sozialen Projekt mitzuarbeiten, wurden schließlich 30 Jahre, in denen der gebürtige Schweizer einen reichen Schatz an Erfahrungen im Bereich der Suchthilfe sammeln konnte. Durch sein Leben und Arbeiten dort konnte er auch viel über die Lage der sozial benachteiligten Menschen in Brasilien berichten. Er erzählte von täglichen Arbeiten in der Landwirtschaft wie Kühe melken, Felder und Gärten bestellen, Früchte ernten und verkaufen sowie handwerklichen Arbeiten in der Küche, in der Schreinerei und der Fahrzeugaufbereitung (VW-Käfer) mit den Süchtigen. Im Projekt werden die Süchtigen als „Schüler“ bezeichnet, um zu verdeutlichen, dass sie im CERVIN sind, um zu lernen, wie man ohne die Sucht leben kann. Hierbei betonte er die Bedeutung einer Sinnhaftigkeit der Tätigkeiten, die seine Schüler ausführen, wie stolz diese nach getaner Arbeit sind, selbst etwas erreicht zu haben, und wie sehr sie Lob und Anerkennung genießen. Der größte Teil der landwirtschaftlichen Produkte wird regional vermarktet. Leider hatte er keinen Kaffee dabei, was uns um den Genuss des Kaffees aus dem CERVIN brachte. Sepp Dietsche ging auch auf die kulturellen Unterschiede von Mitteleuropa und Brasilien ein, erläuterte überzeugend, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit ihrer Sucht umgehen und berichtete von Lebens- und Leidensgeschichten einiger Schüler voller Sucht, sexuellem Missbrauch und Gewalt.

Das Drogen- und Rehazentrum CERVIN hat es sich zum Ziel gesetzt, drogen- und alkoholabhängigen Menschen auf der Basis des christlichen Glaubens zu helfen. Die Personal-, therapeutischen- und laufenden Betriebskosten werden überwiegend durch Spenden wie z.B. über die Stiftung Marburger Mission, das Blaue Kreuz oder einen privaten Unterstützerkreis finanziert. Der brasilianische Staat trägt nur einen kleinen Teil der Kosten. Deshalb ist der CERVIN auf Spenden aus dem Ausland angewiesen.

Marcus Sambale gab einen kurzen Überblick von den geplanten Änderungen beim Bundesteilhabegesetz und den daraus ergebenden Möglichkeiten für die Soziale Landwirtschaft. Daraufhin wurde gemeinsam zu Mittag gegessen. Dabei bestanden Möglichkeiten zum Austausch, Kontakte knüpfen und Ideen besprechen.

Anschließend stellte der Sozialpädagoge und Forstwirt Tobias Abraham die Arbeit des Bereichs „Berufliche Integration“ der mudra alternativen Jugend-und Drogenhilfe e.V. vor. Ca. 100 Menschen werden in verschiedenen Arbeitsbereichen beschäftigt, unter anderem auch im Waldprojekt mit dem Schwerpunkt Forstarbeiten und Brennholzproduktion. Neben der beruflichen Qualifikation werden Fähigkeiten wie Verantwortung, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit vermittelt. Damit verbunden ist immer eine intensive psychosoziale Betreuung. Daran schloss sich eine Besichtigung von Teilen der Einrichtung mudra – Berufliche Integration am Standort in der Schieräckerstraße an.

Werner Vollbracht, Netzwerkkoordinator und -berater für Nordbayern, stellte die Aktivitäten des Netzwerkes vor. Das Netzwerk wächst. Die vielen Anfragen, Beratungen und Einladungen zu Fachvorträgen zeigen ein zunehmendes Interesse an der Sozialen Landwirtschaft.

Ein wichtiger Teil des Netzwerktreffens sind die Berichte von den Höfen, Einrichtungen und Institutionen. Bei der anschließenden Diskussion informierte Michaela Weiß vom Sozialteam über die Änderungen beim persönlichen Budget für Menschen mit Behinderung. Neue Chancen für die Integration behinderter Menschen in Projekte der Sozialen Landwirtschaft wurden diskutiert, die sich nach Inkrafttreten des Gesetzes ergeben könnten.

Anschließend wurde überlegt und diskutiert, einen Fachtag Soziale Landwirtschaft Bezirk Mittelfranken im Herbst 2017 zu veranstalten. Dazu wurde uns vom Leiter der Sozialverwaltung der Plenarsaal im Bezirksrathaus in Ansbach angeboten. Eine kleine Gruppe aus dem Kreis der Netzwerkteilnehmer wird bis zum nächsten Netzwerktreffen im Frühjahr 2017 ein Konzept entwickeln, Termine abstimmen und einen möglichen Ablauf des Fachtags vorstellen.

Insgesamt war das Treffen von spannenden Informationen und einem höchst lebendigen Austausch geprägt, wobei der Vortrag von Sepp Dietsche ein besonderes Highlight darstellte.

Kontakt:

Werner Vollbracht, Berater für Soziale Landwirtschaft, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weißenburg, Bergerstraße 2-4, 91781 Weißenburg, Tel: 09141-875220, Fax: -875209, Werner.Vollbrachtaelf-wb.bayern.de

 

 Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.

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