Soziale Landwirtschaft – ein Thema nimmt Fahrt auf

Netzwerktreffen Soziale Landwirtschaft beschäftigt sich mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen

Kerstin Rose

Passau/Landshut – „Fragen, Vorschläge und Visionen haben die Teilnehmer genug!“ lautet Kerstin Roses Fazit. Die Mitarbeiterin am Passauer Landwirtschaftsamt (AELF) und Organisatorin des zehnten offenen Netzwerktreffens „Soziale Landwirtschaft Niederbayern/Oberpfalz“ konnte in Landshut wieder ein großes Feld an Themen beackern.

Mehr als 30 Interessierte an der Sozialen Landwirtschaft wurden von der Expertin sowie dem Leitenden Landwirtschaftsdirektor Werner Eberl (AELF Landshut) und dem stellv. Hausherrn Georg Fleissmann bei den „Landshuter Netzwerkern“ begrüßt. Grußworte übermittelten ebenfalls die Kreisobmann Georg Sachsenhauser, der sich über das große Interesse an dieser Einkommens-kombination freuten.

Kerstin Rose zeigte in einem kurzen Rückblick die vielversprechenden Entwicklungen in der Sozialen Landwirtschaft seit dem neunten Treffen vor sechs Monaten auf und wies auf kommende Aktivitäten hin, wie die Lehrfahrt am 21./22. März 2018 zu Soziale-Landwirtschafts-Bauernhöfen in Österreich. „Es tut sich enorm viel“, erklärte sie.  Für das Treffen in Landshut hatte Rose einige hochkarätige Referenten verpflichtet, welche die unterschiedlichen Facetten des Themas beleuchteten.

Die Vernetzung Forensik und Soziale Landwirtschaft stellte Gerhard Kühnl vor, Vertreter dessozialpädagogischen Dienstes der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Regensburg. Er berichtete von komplementären Einrichtungen, forensischer Sozialarbeit und Helferkonferenzen mit externen Beteiligten. Diese könnten auch Bäuerinnen und Landwirte sein, soweit der Klient auf dem Bauernhof arbeitet oder wohnt, so der Experte.

Den aktuellen Stand des EiP-Agri-Antrags (Europäische Innovationspartnerschaft) für Soziale Landwirtschaft erläuterte Dr. Viktoria Lofner-Meir, Ministerialrätin a.D. Zehn Höfe, über ganz Bayern verteilt und mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und Zielen, sollen durch intensive Beratung ein passgenaues Angebot in der Sozialen Landwirtschaft entwickeln. Zudem warb sie auch für den entstehenden, bayernweiten Verein Soziale Landwirtschaft. Hier sollen Lobbyarbeit betrieben, Synergieeffekte verbessert und Informationen ausgetauscht werden.

Die Arbeitsgruppe „Kinder und Jugendliche“ des Netzwerkes hatte Birgit Freudenstein vom Sembauerhof in Pocking, besucht. Die Bäuerin und Fachlehrerin für Heilerziehungspflege betreibt auf ihrem kleinen Betrieb erfolgreich die Soziale Landwirtschaft. Den Teilnehmern stellte sie sowohl ihre vielen „Mitarbeiter“, also alle Tiere wie auch die unterschiedlichen Projekte und Zielgruppen eindrucksvoll vor. Interessant war auch die Mischkalkulation, mit der die Erlebnisbäuerin ihre Arbeit auf eine solide finanzielle Basis stellt.

Das Sozialteam ist in der bayerischen Sozialen Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Michaela Weiß berichtete von drei interessanten Kooperationen ihres sozialen Unternehmertums mit Bauernhöfen in Niederbayern und der Oberpfalz. Der jeweilige Bezirk sei der Kostenträger. Geplant ist ein Arbeitsprojekt für suchtkranke Menschen in Kelheim auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Campingplatz. Eine Wohnstätte für Suchtkranke entsteht im Landkreis Landshut unter Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben und im Landkreis Tirschenreuth sollen psychisch Kranke Menschen in einer Außenwohngruppe am Hof mitarbeiten.

Claudia Holzner, Psychatrie-Koordinatorin im Bezirk Niederbayern lieferte wichtige Informationen zum Bundesteilhabegesetz. Das zentrale Anliegen dabei ist, dass es nicht mehr allein um die Fürsorge gehen soll, sondern die Teilhabe am Leben im Mittelpunkt gestellt wird, also am Wohnen, Arbeiten und in der Freizeit. Die umfassenden Änderungen im Teilhabegesetz treten stufenweise bis 2023 in Kraft.

Nach einem vorzüglichen Fingerfood-Mittagessen, serviert von dem Inklusions-Küchen-Team der Gastgeber „Die Netzwerker“ stellten diese auch ihre Projekte vor. Hier können psychisch Kranke auch im grünen Bereich arbeiten, die Auftragslage ist gut, obwohl außer dem beschrifteten Lieferwagen keine aktive Werbung gemacht wird.

Rainer Eberl, Bildungsberater in Landshut-Schönbrunn, erzählte von seinen Erfahrungen mit der „Ausbildung von Andersbegabten“ im Gartenbau. „Der Werker im Gartenbau“ wendet sich an Menschen mit Behinderung, insbesondere Lernbehinderung für die eine Ausbildung in einem staatlich anerkannten Beruf nicht in Betracht kommt. Ebenso erläuterte er den interessanten Werdegang des jungen geflüchteten Mannes, der in der Obhut von Familie Eberl lebt.

Ein großes Thema war schließlich noch die Arbeit mit Asylbewerbern. Hier gab es einen Praxisbericht. Theresia Hirschbeck vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportsplatzbau e.V. so-wie Angela Sedlmaier Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz berichteten von Chancen und Herausforderungen mit der Integration von geflüchteten im Arbeitsleben. Landwirte und Arbeiter können hier durchaus profitieren, es müssen aber viele gesetzlichen Vorschriften und Anträge beachtet werden. In den Landratsämtern gibt es Unterstützung. Ebenso bei allen Stellen, die für Aus- und Weiterbildung zuständig sind, z.B. den Landwirtschaftsämtern, oder für den Werker im Garten- und Landschaftsbau bei Rainer Eberl, AELF Landshut.

Zum Abschluss dankte Kerstin Rose ihrem Vorbereitungsteam, sowie den landwirtschaftlichen Verbänden für die Unterstützung. Auch der engagierte Leiter der Sozialverwaltung der Oberpfalz, Dr. Benedikt Schreiner wurde mit Lob bedacht. Er würde fachlich viel beitragen und so manche offene Frage könnte fundiert und sofort geklärt werden, stellte die Organisatorin dankbar fest.

Informationen zur Sozialen Landwirtschaft gibt es für Niederbayern bei Kerstin Rose, AELF Passau-Rotthalmünster, kerstin.roseaelf-pa.bayern.de, Tel: 0851-9593435 und für die Oberpfalz bei Irmi Kuhn, AELF Neumarkt / Opf, irm-gard.kuhn@aelf-ne.bayern.de , Tel.: 09181-4508 207

 

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.

Netzwerken ist in der Sozialen Landwirtschaft besonders wichtig. Diesmal waren der Einladung des Vorbereitungsteams um Kerstin Rose (re) wieder zahlreiche Interessierte gefolgt: Markus Scheuer-mann, stellvertr. Beauftragter für Menschen mit Beeinträchtigung (v. re), Bezirkstag Niederbayern, Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Sozialverwaltung Bezirk Oberpfal. Werner Eberl, Leiter Landwirt-schaftsdirektor AELF Landshut Sachsenhauser Georg, Kreisobmann Landshut

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