Bericht vom 6. Netzwerktreffen Niederbayern/Oberpfalz

Ein Netzwerk, das wirkt! Organisatorin Kerstin Rose (3. v. links vorn) sorgt für Verknüpfungen.

Pressemitteilung vom 11.12.2015:        
Soziale Landwirtschaft: Interesse wächst

Passau – „Der Markt ist groß mit weiterhin steigender Tendenz“, weiß Organisatorin Kerstin Rose vom Passauer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Zum sechsten Mal hat sie das offene Netzwerktreffen organisiert – zum ersten Mal im eigenen Landkreis. 60 Interessierte wollten die Beiträge, Referate und Berichte aus der Praxis hören.

„Wir suchen für das Treffen immer einen Bauernhof, der in der Sozialen Landwirtschaft aktiv ist!“ – so die Ansprechpartnerin vom AELF. Das Team des Langlebenhofes, Passau, nahm die Anfrage gerne an. Der Hof betreut einen Menschen mit Behinderung, der in der Landwirtschaft beschäftigt ist.

Robert Schnellhammer, Leitender Landwirtschaftsdirektor des AELFs, hob in einem Grußwort die Bedeutung der Sozialen Landwirtschaft hervor und freute sich über hochkarätigen Besuch: den Leiter der Sozialverwaltung der Oberpfalz, Dr. Benedikt Schreiner, den landwirtschaftlichen Professor an der Universität Budweis, Jan Moudrý, die Rechtsanwältin Ingvild Geyer-Stadie, Reinhilde Bauer, Sozialdienst und Nachsorge-Verantwortliche der Kinderklinik Dritter Orden Passau, die vielen Leiter sozialer Organisationen, die Berufsständevertreter des Bayerischen Bauernverbandes, Herrn Ritzinger (BBV Landshut), und des ökologischen Anbauverbandes Naturland, Carolin Pieringer und vor allem die zahlreich anwesenden Bäuerinnen und Landwirte.

Kerstin Rose zeigte in einem Rückblick die vielen Aktivitäten und beachtlichen Entwicklungen seit dem letzten Netzwerktreffen im März 2015. Kernstück sei derzeit ein interessantes Vorhaben, zu dem sich diejenigen Landwirte melden können, die sich in der Sozialen Landwirtschaft engagieren wollen bzw. vorhaben, ihr Angebot zu konkretisieren/ändern. Die Landwirte, die nach einer Informationsveranstaltung zum sog. „EIP-AGRI-Antrag“ (Europäische Innovationspartnerschaft in der Landwirtschaft) ausgewählt werden, erhalten intensive Beratung und Begleitung während der Gründungsphase: Persönliche und strukturelle Möglichkeiten, Finanzierungswege, Umsetzung der Ziele etc. (Information bei Kerstin Rose weiterhin möglich). Bayernweit werden 10 Bauernhöfe ausgewählt.

Das Programm spiegelte das Interesse der Teilnehmer. Reinhilde Bauer von der Passauer Kinderklinik informierte über die Möglichkeit, durch Stiftungen alternative Finanzierungswege zu beschreiten. Seit Langem hilft sie Familien, die unverschuldet in Not geraten sind. Gerade für tiergestützte Therapie hätten einige Stiftungen ein offenes Ohr. Der Weg bis zur Bewilligung sei jedoch nicht leicht und nehme Zeit in Anspruch.

Ihre Zusammenarbeit mit Förderschulen erläuterte die Bäuerin Birgit Freudenstein. Wöchentlich kommen Gruppen auf den Sembauerhof Gstetten bei Pocking. Die Fachlehrerin für Heilerziehungspflege und Reittherapeutin bietet sowohl wiederkehrende Arbeiten in der Landwirtschaft sowie das Erleben der Natur an. Auch die Finanzen wurden von der findigen Erlebnisbäuerin angesprochen: von der Win-Win-Situation sowie der monetären Vergütung. Hervorgehoben wurde die langjährige Kontaktpflege zu Förderschulen. „Man kennt sich seit Langem. Die Kunden wissen von meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten auf dem Hof und kommen auf mich zu!“

Josef Liebl, Wohngemeinschaft Giglberg, berichtete von dem Werdegang seines Wohnheims für Menschen mit Behinderung. 29 Betreute leben auf dem niederbayerischen Hof und, arbeiten in nahegelegenen Werkstätten. Die Freizeit genießen sie auf dem Hof mit den vielen Tieren, die ehrenamtlich von Familie Liebl gehalten werden. Über mögliche finanzielle Zuschüsse hatte er sich als „Hausaufgabe“ seit dem letzten Netzwerktreffen informiert: Über eine Pflegestufe oder die Zuschüsse eines etwaigen Fördervereins könnten die Tiere zumindest mitfinanziert werden.

Viele Fragen konnte Tobias Koch, Sozialer Service, beantworten. Er stellte die Möglichkeit einer Tagesstruktur für Menschen mit Behinderung vor. Finanziert über das „Persönliche Budget für arbeitsähnliche Tätigkeiten“ ist es z.B. dem jungen Jürgen (Name geändert), 28 Jahre, mit Down-Syndrom möglich, auf dem Langlebenhof eine Tagesstruktur mit einem Betreuer zu erhalten. Der junge Mann mit Behinderung verrichtet anfallende Tätigkeiten auf dem Hof und im Pferdestall, die von ihm geleistet werden können. Am liebsten stellt er in der Holzwerkstatt Fackeln her, die dann für einen guten Zweck verkauft werden. Der Sozialpädagoge Koch setzte heuer ein weiteres Zeichen für Inklusion: Er hat die Garten- und Landschaftspflegegruppe „Grünschnitt“ gegründet, die erfreuliche Buchungsaufträge aufweisen kann.

Nach dem Mittagessen – äußerst ansprechendes Catering von PassauerLandLeben-Bauer Georg Winklhofer mit regionalen Produkten des Vereins – kündigte Kerstin Rose die Berichte über die Außenarbeitsplätze an. Katrin Zillner und Josef Wenk, die Verantwortlichen für solche Arbeitsplätze außerhalb des Werkstatt-Gebäudes, beleuchteten das speziell zugeschnittene Verfahren, damit ein Mitarbeiter der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ein individuelles Praktikum auf dem Arbeitsmarkt absolvieren kann. Bäuerin Evi März, Reiterzentrum Witzmannsberg, rundete die Information mit dem Bericht aus der Praxis ab. Menschen mit Behinderung seien sehr unterschiedlich einzusetzen. Manche hätten ein hervorragendes Gespür für Tiere, andere bräuchten sehr viel Anleitung und Betreuung. Diskutiert wurde vor allem der letztere Fall, wenn dieser von dem landwirtschaftlichen Betrieb mitfinanziert werden muss.

Gerhard Fersch, selbst Landwirt, Altenpfleger und Anbieter von Lebensformen für Senioren, lieferte einen umfangreichen Sachstandsbericht über die Soziale Landwirtschaft im Seniorenbereich. Zahlreiche Hürden müssten genommen werden. Die Rolle des Vermieters einzunehmen, wäre dem Landwirt stark anzuraten. Sollten mögliche Qualifikationen in der Familie passend sein, könnten diese vom Betreiber des Seniorenwohnens angefordert werden.

Das gewünschte Thema Asylbewerber auf dem Bauernhof erläuterte die Münchner Fachanwältin Ingvild Geyer-Stadie. Rundum informierte sie über Asylverfahren, Arbeitserlaubnis bzw. Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten auf landwirtschaftlichen Betrieben. „Der Mindestlohn von 8,50 € gilt auch hier!“ erklärte die Expertin. Durch passende Schriftstücke wurde der Vortrag ergänzt: Michaela Weiß, Sozialteam-Niederbayern, steuerte Informationen einer Tagung bei und Projektleiter Jakob Schreiner, erläuterte das FAM-Projekt (Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten) des Passauer Wirtschaftsforums an einem „Marktplatz“-Stand.

Reichlich Information fanden die Teilnehmer in den Pausen am „Marktplatz“, der im Aronia-Hofladen des Langlebenhofs aufgebaut war: den druckfrischen ersten Flyer Soziale Landwirtschaft des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Möglichkeiten der Hauswirtschaft in der Sozialen Landwirtschaft, die Arbeit der Passauer Kinderklinik, sowie die Angebote des Sozialteams und des Anbauverbands „Naturland“.

Durchhaltevermögen bewiesen alle Akteure bei der interessanten Hofführung. Viele Fragen zu Reitbetrieb, Holzwerkstatt, Wohnheim für Menschen mit Behinderung, Aronia-Anbau, Saftgewinnung und Vermarktung wurden von den Mitstreitern der Daniel-Dorn-Stiftung, Langlebenhof, Viktor Merklinger und Patrick Buttinger, exklusiv beantwortet.

Organisatorin Kerstin Rose bedankte sich bei den Gastgebern des Langlebenhofs und verabschiedete die Teilnehmer mit einem aufmunternden „Auf Wiedersehen“ beim nächsten Netzwerktreffen.

Informationen zur Sozialen Landwirtschaft und zum EIP-AGRI-Antrag bei Kerstin Rose; Tel: 0851/9593-435; Mail: kerstin.roseaelf-pa.bayern.de; www.soziale-landwirtschaft.de.

 

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.

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